Die (deutsche) Nation? – Kein Grund zum feiern!

Vor noch wenigen Tagen hingen überall Deutschland Flaggen; an Autos und Häusern und oft kleideten sich auch Menschen in Schwarz-Rot-Gold. Eher fiel mensch auf, wenn mensch am Spieltag des DFB-Teams keine Nationalsymbole trug. Auch die Nachbarn schauten immer argwöhnisch, wer denn etwa keine Deutschlandflagge im Garten oder am Auto auf gehängt hatte. Und dann fragten sich zudem viele Menschen warum z.B. Özil nicht die deutsche Nationalhymne mit singe. Ach ja, er sei ja gar keine richtiger „Deutscher“ und nur „Deutsche“ seien stolz auf „ihr Deutschland“.

Doch was versteckt sich eigentlich hinter diesen Gedankengängen, die sich wohl in vielen Köpfen der Bürgerinnen und Bürger besonders während der Männer Fußball WM abgespielt haben? Es verbirgt sich die grundlegende Einteilung in „Wir, die Deutschen“ und „Die, die Ausländer“. Viele Menschen in diesem Land müssen diese zwei Klassengesellschaft jeden Tag miterleben; sei es in der Bahn, wenn mensch als einzige oder einziger kontrolliert wird, oder sei es bei der Jobsuche, bei der z.B. Frauen mit Kopftüchern häufig konsequent einfach abgelehnt werden. Das Problem mit dem Wir hier also zu kämpfen haben heißt Rassismus und dieser erstreckt sich durch weite Teile der Gesellschaft. Nicht nur Nazis sind tagtäglich rassistisch, in jedem von uns steckt das Potenzial Rassistin oder Rassist zu sein. Und auch die hiesigen Parteien bedienen sich immer wieder rassistischen und populistischen Phrasen, wie z.B. der angeblichen „Unterwanderung der Sozialsysteme“ oder einer „Das Boot ist voll“ Logik.
Eine grundlegende Ursache für diesen Rassismus liegt in dem immer noch auf „Blut und Boden“ Logik basierenden Nationalismus; wer keine deutschen Vorfahren besitzt sei kein Deutscher. Dieser Nationalismus manifestiert sich besonders zu nationalen Großereignissen, wie der nun zu Ende gegangen WM, in einem Fahnenmeer aus Deutschlandflaggen und „stolzen“ Deutschen. Einige von euch werden sich nun bestimmt fragen, was daran so schlimm sei stolz auf seine Heimat zu sein; Neben dem schon erwähnten Problem der Ausgrenzung von Menschen, ist das was in eurem Pass steht eigentlich auch nur reiner Zufall, denn ihr hättet genauso gut in Guatemala oder Somalia geboren werden können. Und können wir nicht eigentlich nur darauf stolz sein, was wir selber erreicht haben? Was habe ich dazu beigetragen, dass das DFB Team Weltmeister geworden ist, oder besser gefragt was habt ihr dazu beigetragen? Das sich eine Deutschlandflagge an das Auto hängen, hat nichts mit den sportlichen Siegen dieser WM zu tun und erst recht nicht das Anschreien der Public Viewing Leinwand während der Fußballspiele. Natürlich spricht nichts dagegen sich über faire Spiele und besondere sportliche Leistungen zu freuen, aber es gibt keinen wirklichen Grund die Leistungen des DFB Teams mit einer nationalen Identität in Verbindung zu bringen.
Stolz auf ein Land zu sein, bedeutet immer andere Länder und andere Menschen auszuschließen und ab zu werten. WM Patriotismus und Nationalismus gehen hier Hand in Hand und das steht einer gleichen freien Gesellschaft zu tiefst im Wege.
Es liegt nun also an uns, über nationale Identitäten und Staaten hinweg zu denken, und uns als das zu begreifen, was wir grundlegend sind: gleiche Menschen, die alle gemeinsam auf diesem Planeten leben! Daher kämpft mit uns gemeinsam für eine solidarische und freie Gesellschaft ohne Abgrenzung, Ausgrenzung und Unterdrückung!

Wir würden uns daher freuen, wenn viele Menschen am 3. Oktober mit uns nach Hannover auf die Gegendemonstration gegen die Einheitsfeier kommen würden. Lasst uns dort gemeinsam zeigen, dass uns die deutsche Normalität gewaltig stört!

Antifa Weyhe