„Tag der deutschen Patrioten“

NazisMarkt

Am 12. September sollte in Hamburg der „Tag der deutschen Patrioten“ stattfinden, ein Aufmarsch des „HoGeSa“ Abkömmlings „Wir sind Stark e.V.“ und anderen erkennbar rechten Kameradschaften. Die Organisatoren kassierten jedoch wenige Stunden vor dem Demo-Tag ein endgültiges Verbot ihrer Demo durch das BVerfG, ein Novum, wurden doch in der Vergangenheit Demoverbote in letzter Instanz mit Blick auf das Recht der Meinungsfreiheit meist aufgehoben. Dass trotz des Verbots Nazis und sonstige rechte Menschen in Hamburg auf die Straße gehen würden, erschien plausibel. Am Plan der Blockade einer möglichen Demo in Hamburg wurde daher festgehalten. Im Laufe des Tages sollten sich die Ereignisse jedoch in negativer Weise überschlagen: Während die Nazis scheinbar in weiser Voraussicht einen „Plan-B“ hatten und ihre Demo in kleinerem Maßstab in Bremen durchführen wollten, was ihnen ebenfalls verboten wurde, entschieden sich knapp 100 von ihnen, Weyhe einen erneuten Besuch (die Nazi-Aufmärsche von 2013 und 2014 sind immer noch in negativer Erinnerung) abzustatten. Von zunächst einer Handvoll Polizisten begleitet, zog ein Mob von zum Teil vermummten rechten Elendsgestalten durch die Bahnhofstraße und skandierte „Daniel Siefert, es war Mord!“ und andere rechte Parolen. Ein Gruppenfoto auf dem Weyher Marktplatz durfte natürlich auch nicht fehlen. Am Nachmittag des Tages, über eine Auswahl Weyhes als Ausweichort der Nazis aus eben dem folgenden Grund lässt sich spekulieren, sollte auf dem Markplatz das erste Weyher Integrationsfest stattfinden. Auf Grund der bedrohlichen neonazistischen Präsenz und des zu diesem Zeitpunkt noch nicht vorhandenen Polizeischutzes, sahen sich die Veranstalter des Integrationsfestes gezwungen, dieses schließlich abzusagen. Den Nazis gelang damit, was ihnen in diesen Tagen scheinbar als ihre Aufgabe erscheint, nämlich die z.T. vorhandene Willkommenskultur in deutschen Städten und Gemeinden weiter zu bekämpfen.

Die Nazis von der „AG Nordheide“ twitterten gegen Mittag folgendes Bild:
AgNord

Erst nach einiger Zeit traf eine Überpräsenz von Polizeikräften in Weyhe ein, was die Nazis nicht davon abhielt sich in Kleingruppen zu verstreuen, in Weyhe weiter ihr Unwesen zu treiben und vermeintliche linke Jugendliche zu bedrohen. Nur rund 40 der, nach unseren Informationen,110 Nazis wurden auf dem Parkplatz des Marktplatzes schließlich erkennungsdienstlich behandelt und unter Polizeischutz aus Weyhe hinausbegleitet. Erst gegen späten Nachmittag verließen die letzten Nazis die Gemeinde. Am Abend konnte jedoch, zum Glück, das Kollektiv der Dorfgemeinschaft ganz deutsch bei „Weyhe Total“, das wie geplant stattfinden konnte, feiern.

Wir hoffen, dass die Gemeinde Weyhe, insbesondere die Mitglieder des „Runden Tisches gegen Rechts“, aus den aktuellen Vorfällen Konsequenzen zieht und deutlicher mit zivilgesellschaftlichen Druck gegen Nazis aktiv wird. Vor allem gegen diejenigen Elendsgestalten, die in der Gemeinde tagtäglich in Häusern wie dem „Roadhouse Route 6“ verkehren, die linke Ultras aus Weyhe bedrohen, oder die bei Events wie dem Leester Osterfeuer Präsenz zeigen, muss in Zukunft vorgegangen werden, denn es wird zum wiederholten Mal deutlich: Es gibt kein ruhiges Hinterland!

Weitere Infos und Fotos:
http://www.kreiszeitung.de/lokales/diepholz/weyhe-ort54198/weyhe-rechte-demonstranten-ziehen-durch-weyhe-polizei-grossaufgebot-5521553.html
http://recherche-nord.com/gallery/2015.09.12.html